Dieser kleine rechtsdrehende
6 Volt 17 Watt Magnetzündergenerator wurde in den 70er Jahren an Morini Mopeds verbaut, leider beträgt der Innendurchmesser vom
Polrad nur 78,6 mm, folglich sind auch die Spulen
viel kleiner wie handelsübliche Bosch oder Ducati Komponenten.
Weil bei diesem Exemplar vor der Instandsetzung die
Zündspule
und auch die
Lichtspule
defekt waren, findet man dafür kaum noch passende
Original Ersatzteile. Vor ca. 2 Jahren beobachtete ich bei
einem Teilemarkt einen Kunden, welcher eine ähnliche aber neu
gewickelte Zündspule erwerben wollte, Der Verkäufer
(ausnahmahmsweise kein schmieriger Schrotthändler), wollte
dafür stolze 140.- Euro nehmen, was dem Kunden damals zu teuer
war. Werden exotische Zündspulen wirklich fachgerecht repariert,
sind vergleichbare Preise für handwerkliche Dienstleistungen auch
gerechtfertigt, allerdings sind manchmal alte Mopeds im
unrestaurierten Rohzustand erheblich weniger Wert.
Handwerklich
begabte Bastler welche keinen all zu großen Wert auf absolute
"Originoolität" legen, können das auch kostengünstig
lösen und sind später nicht mehr auf exotische
Trümmer angewiesen. Weil die
Zündspule
noch über einen stabilen Spulenkörper aus Pertinax
verfügt, kann man die Wicklung problemlos herunterstemmen und den
leeren Spulenkörper später mit einer primären
Zünderregerwicklung, für handelsübliche
aussenliegende Zündspulen
bewickeln. Zum fachgerechten verlegen von Lagenwicklungen mit wenigen
hundert Windungen, empfehle ich die Anfertigung eines einfachen
Verlegewerkzeuges mit Handkurbel. Der Zünderregerstrom soll bei mittleren Motordrehzahlen
ungefähr 2 Ampere betragen und dafür braucht man auch eine
annähernd passende Windungszahl. Als groben Annäherungswert
kann man für solche Fälle die Lichtspule bei
unterschiedlichen Drehzahlen messen und deren Ampere/Windungszahl
dafür umrechnen. Weiters soll man auch die Windungszahl an der
Primärwicklung von der defekten
Zündspule zählen und mit den gemessenen bzw. errechneten Ergebnissen vergleichen.
Also
machen wir Nägel mit Köpfen und errechnen für die
Lichtspule eine Ampere/Windungszahl von 2 Ampere, bei 5000 Upm. Die
bereits
reparierte Lichtspule ist mit 190 Windungen Cul. 0,75 bewickelt und erzeugt bei 5000 Upm
2,46 Ampere,
an 6 Volt 16 Watt Lampenlast. Nach der Schlußrechnung 2,46 Ampere
mal 190 Windungen, beträgt die Ampere/Windungszahl
467,4.
Dividiert man dieses Ergebnis durch die erwünschten 2 Ampere,
kommen dabei 233,7 Windungen heraus. Weil aber die Zündspule
über weniger und kleinere Blechlamellen als die Lichtspule verfügt, wird
damit auch geringfügig weniger Strom erzeugt. Die originale
Primärwicklung der defekten Zündspule war mit 206 Windungen,
0,42 mm Kupferlackdraht bewickelt, folglich liegen wir im Bereich
zwischen 206 bis 233 Windungen goldrichtig. Ich wählte etwas
dickeren Kupferlackdraht mit 0,80 mm und verlegte
6 Wicklungslagen mit insgesamt 228 Windungen, was 38 Windungen pro Lage entspricht. Auf
den Spulenkörper hätte ich auch 7 Lagen mit 0,95 mm dicken
Kupferlackdraht mit ebenfalls ca. 230 Windungen untergebracht, war aber
in diesem Fall nicht zwingend nötig.
Defekte Spulen und Kondensatoren kann man sehr zuverlässig mit einem
RLC Meter
überprüfen, welches über mindestens zwei umschaltbare
Messfrequenzen verfügt. Dieses kostengünstige Profi
Gerät ist dafür sehr gut geeignet und kann am zweiten Display
beispielsweise auch den
Scheinwiderstand (Impedanz) von Kondensatoren
anzeigen. Leiden Spulen an Windungsschlüssen, erkennt man das bei
der höheren Messfrequenz, durch die erheblich niedrigere
Induktanz. Besitzt man noch kein geeignetes Messgerät, erkennt man manchmal
Wicklungsschäden
im Anfangstatus auch bei genauen Sichtkontrollen, aber leider nicht
immer. Auf den ohmschen Innenwiderstand von Wicklungen soll man sich keinesfalls verlassen, der unterscheidet sich zwischen
defekten und
intakten Spulen oft nur geringfügig und kaum messbar. Seltene Flansch Kondensatoren welche früher oft von Ducati
verbaut wurden, kann man auch gegen herkömmliche
impulsfeste Folienkondensatoren
ersetzen. Bei Verwendung von außenliegenden Zündspulen, soll
man sie in der Nähe der Primärwicklung oder direkt neben die
Zündspule montieren. Im Limagehäuse findet sich
erfahrungsgemäß kaum Platz für alternative
Kondensatoren.