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Letzte Änderung, am 07.11.2009

Wartungstips für kontaktgesteuerte Magnetzündergeneratoren


An richtig alten Mopeds und kleineren Motorrädern, sorgen meistens unterbrechergesteuerte Magnetzündergeneratoren für den nötigen Zündfunken zur richtigen Zeit. Das erfordert auch korrekte Wartung, damit es für längere Zeit so bleibt. Häufig erreichen mich in diesem Zusammenhang Fragen wie: "Welche Aufgaben erfüllt der Kondensator?", "Warum funkt es am Unterbrecherkontakt?", Was versteht man unter "Abrißmaß?", usw...

Beim Öffnen von stromdurchflossenen Kontakten entsteht naturgemäß ein Öffnungsfunke. Die Selbstinduktionsspannung der primären Zündgeneratorspule reicht aus, um die Luftstrecke zwischen den sich gerade öffnenden Unterbrecherkontaktflächen zu ionisieren. Zur Verhinderung dieses Öffnungsfunkens ist parallel zu den Unterbrecherkontakten ein Kondensator (von durchschnittlich 0,22µF) geschaltet, der einerseits die Funkenbildung verringern und andererseits mit der Primärspule einen Schwingkreis bilden soll, welcher mit der Sekundärspule in Resonanz schwingt. Auf diese Weise wird die Energieübertragung vom "Primär" auf den "Sekundärkreis" optimiert und auch der Zündfunke verstärkt. Sobald sich die Unterbrecherkontakte öffnen, nimmt der Kondensator elektrische Ladung auf, was die momentane Spannung an den Kontakten soweit absenkt, dass die kleine Luftstrecke nicht mehr überschlagen kann. Bis der Kondensator jedoch vollständig aufgeladen ist, sind die Unterbrecherkontaktflächen schon so weit geöffnet, dass kein Öffnungsfunke mehr entstehen kann. Die Bildung schwach sprühender Funken kann aber nicht völlig verhindert werden, deshalb darf  auch leicht bläuliches "Kontaktsprühen" sichtbar sein.

Einfache Zusammenfassung:
 

Also, zum einen unterdrückt er das Funkenfeuer an den Kontakten und wird deshalb auch "Funkenlöschkondensator" genannt. Zum anderen verstärkt er auch den Zündfunken, indem er seine gespeicherte Ladung zusätzlich an die Zündspule abgibt. Ohne diesen Kondensator würde starke Funkenerosion, die Unterbrecherkontakte innerhalb kürzester Zeit unbrauchbar machen. Aufgrund der unregelmäßigen Nachbrenndauer würde es auch den ZZP verzögern und die Hochspannung verringern. Weil auch der Zusammenbruch des Magnetfeldes beim öffnen der Unterbrecherkontakte in sehr kurzer Zeit erfolgen soll, ist das mit energiereichen Lichtbögen an den Kontakten nicht vereinbar. Der Stromfluß zwischen den Kontakten kann nicht unterbrochen werden und ein schlechter oder defekter Kondensator kann auch die Ladung nicht aufnehmen. Auf der anderen Seite kann die Hochspannungswicklung nur sehr schwache Zündfunken erzeugen, welche erst nach abreißen der unerwünschten Lichtbögen erfolgen.

Die Kontaktflächen des Unterbrechers müssen immer sauber sein und der Schmierfilz für die Steuernocke sollte nie trocken werden. Die Lauffläche der Nocke am Polrad soll unbedingt glatt und frei von Korrosion sein. Rost schleift sonst das Gleitstück des Unterbrechers bei höheren Drehzahlen im Zeitraffer nieder, so dass auch dessen Kontaktabstand schnell abnimmt.

Kontaktgesteuerte Magnetzündergeneratoren der frühen 80er Jahre gelten bis max. 8000 Upm Motordrehzahl als sehr zuverlässig, auch deren Generatorleistung kann man im Gegensatz zu älteren Anlagen als allgemein "zufriedenstellend" bezeichnen.  Bei alten Motorrädern und Mopeds, wurden Magnetzündergeneratoren über die vielen Jahre durch Vibrationen, starke Temperaturschwankungen und Einfluß von verdorbenen Kraftstoffen oft arg in Mitleidenschaft gezogen. Wenn wieder eine zuverlässige Funktion erwartet wird, ist eine gewissenhafte Überholung unerlässlich.

Funkenlöschkondensatoren mit biblischen Alter oder offensichtlich eingebrannte Unterbrecherkontakte sind unbedingt gegen passende Neuteile zu ersetzen, damit schließt man die häufigsten schleichenden Fehlerquellen für längere Zeit aus. Der Funkenlöschkondensator ist überwiegend in die Trägerplatte eingepresst, es ist aber auch möglich einen externen impulsfesten "MKP" Folienkondensator zwischen Masse und Abstellerkabel (Primärstromkreis vom Zündgenerator) anzuschließen. Beim Ersatz (egal welcher Bauform) kommt es nur auf die richtige Kapazität (erfahrungsgemäß zwischen 0,15 bis max. 0,50 Mikrofarad) und ausreichende Spannungs- bzw. Schaltfestigkeit an. Im Gegensatz zu kostengünstigen "MKT" Kondensatoren, überstehen impulsfeste "MKP" Kondensatoren auch satte Kurzschlüsse bei hohen Entladeströmen unbeschadet, was bei billigen Nachbau-Einpresskondensatoren nicht immer der Fall ist. Beim Austauschen von Einpresskondensatoren sollte man unbedingt darauf achten, dass das Kondensatorgehäuse nicht beschädigt wird. Hilfreich sind passende Führungshülsen (Zur Not eine passende Stecknuß), welche die Kraft gleichmäßig über das Gehäuse verteilt. Außerdem soll die Grundplatte vor Montage- und Demontagearbeiten auf ca. 100°C vorgewärmt werden.

Uralte innenliegende defekte Zündspulen (bis Anfang der 60er Jahre) kann man bei ausreichender Geduld und Verwendung von geeigneten Isoliermaterial auch noch selber wickeln. Bei seltenen oder exotischen Bauformen vergossener und auch unvergossener defekter Zündspulen, kann man beispielsweise auf das bestehende Ankerblech (mit Hilfe eines selbstgebastelten Spulenkörpers) eine niederohmige primäre Zünderregerwicklung (mit durchschnittlich 200 bis 400 Windungen) anfertigen und eine Zündspule (Zündtransformator) getrennt außerhalb des Motorgehäuses montieren. Werden alte Edelvorräte, welche als restaurierungswürdig befunden wurden, fachgerecht im Ultraschallbad gereinigt bzw. desinfisziert, ist anschließend eine mindestens 10 stündige Trocknung bei max. 90 bis 105°C im Heißluft Trockenschrank nötig, um spätere Restfeuchtigkeit zuverlässig auszuschließen!


Richtige Einstellung ist sehr wichtig

Nach dem Zusammenbau von Magnetzündergeneratoren (vor allem bei sehr alten und schwachen Zündgeneratoren), sollen natürlich in der richtigen Reihenfolge Unterbrecher-Kontaktabstand und Zündzeitpunkt neu eingestellt werden. Stammen Grundplatte oder Polrad von einem anderen Fahrzeug, oder sind keine Einstellmarken mehr sichtbar, dann soll das Polschuh-Abrißmaß zuerst justiert werden. Dazu wird das Polrad in Motorlaufrichtung soweit verdreht, bis die neu übertragenen Markierungen für den Zündzeitpunkt exakt mit der Markierung am Gehäuse fluchtet. Dann wird die Grundplatte in ihren Langlöchern verdreht, bis "das Abrißmaß" (falls bekannt) den vom Hersteller empfohlenen Wert erreicht.

Die folgende Tabelle zeigt die Einstellwerte einiger bekannter Magnetzündergeneratoren der 50er bis früheren 60er Jahre.

Abrißmaße für alte Zündanlagen
Hersteller Typ Abrißmaß
Bosch LM/UT 1/142/27
1/142/30
1/154/30
1/154/45
7,5 - 11 mm
Noris ULZu 1/143/18
1/143/36
4 - 7 mm
Siba alle 10 - 12 mm

Anschließend wird der korrekte Zündzeitpunkt mit Hilfe des Unterbrecherkontaktes eingestellt. Meist gab der Hersteller den Wert für den maximalen Kontaktabstand, seiner Unterbrecherkontakte bei Öffnung zwischen 0,3 und 0,5 mm an. Nach dessen Einstellung mit Hilfe einer Fühlerlehre wird die "Unterbrecher-Trägerplatte" leicht festgezogen und der Zündzeitpunkt kontrolliert. Beim drehen des Polrades in Motorlaufrichtung müssen sich die Kontakte gerade öffnen, wenn die Marke für den Zündzeitpunkt die Gehäusemarke passiert. Ist eine erneute Korrektur notwendig, kann diese durch Verstellen des Kontaktabstandes innerhalb der angegebenen Toleranzen erfolgen. Genügt das nicht, muss die Grundplatte innerhalb der zulässigen Toleranz des "Abrißmaßes" verstellt werden.

Sollten sich keine passenden Einstellungen finden lassen, stammen möglicherweise Polrad, oder Stator-Grundplatte von anderen Motoren mit möglicherweise auch entgegengesetzter Drehrichtung. Vielleicht liegt es auch an nicht passenden Unterbrecherkontakten, einem verschlissenem Gleitstück, oder die Kontakte waren schon zu weit erodiert und sind stümperhaft nachgefeilt worden. Sollte nach gewissenhafter Durchführung aller Einstellungen die Zündleistung bzw. Zündspannung trotzdem zu niedrig sein, könnte auch die Feldstärke der Magneten im Polrad durch Alterung oder falsche Lagerung stark nachgelassen haben.