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Fehlereingrenzung bei Motoplat Zündungen

Vielen Bikern wurden schon schöne Ausfahrten verdorben, weil sich deren Motoplat Zündanlagen zufällig oder dauerhaft weigerten, ihrer Aufgabe "der Zündfunkenerzeugung" nachzukommen. Besonders ärgerlich, wenn man weit entfernt liegenbleibt und kein Ersatzteil oder passendes Werkzeug dabei hat. Für derartige Fehler sind überwiegend die Dioden, defekte Widerstände, oder auch schlechte Lötstellen an den Impulsgeberspulen verantwortlich, manchmal ist auch die Zündspule defekt! Um den Thyristor in der Zündspule noch ausreichend anzusteuern, reichen schon wenige Milliampere, welche auch fehlerhafte Dioden oder leicht hochohmige Widerstände noch schaffen. Wer ein Multimeter mit Diodentest besitzt, kann als Schnelldiagnose die Durchbruchspannung in beiden Richtungen überprüfen. In der gedämpften Stromrichtung beträgt der Spannungsabfall beispielsweise 527 mV und wenn man die beiden Prüfkabel (rot und schwarz) vertauscht, wird die Durchbruchspannung der anderen Diode (ohne 30 Ohm Widerstand) gemessen, der Spannungsabfall sollte dann ca. 507 Millivolt betragen! Die angegebenen Durchruchspannungen sind Richtwerte, weil stark temperaturabhängig. Falls aber eine der beiden Richtungen keinen vernünftigen Messwert ergibt, ist der Fehler eindeutig lokalisiert. Bei zehnfachen Steuerstrom (mit externer Stromversorgung), welcher im ordnungsgemäßen Betrieb nie vorkommt, könnte man schleichende Funktionsfehler in manchen Fällen schon früher erkennen. Folgendes Bild zeigt einen Motoplat Stator wo die Impulsgeberplatine freigelegt wurde:

Der Zündimpulsgeber

Wer die Schaltung unter der roten Vergußmasse oder dessen Funktion nicht kennt, weiß auch nicht wonach er messen soll? Wie funktioniert das? Zwei Impulsgeberspulen sind im entgegengesetzten Wicklungssinn geschaltet, wenn abwechselnd  N  +  S  Polflächen des Polrades an den beiden Steuerankern synchron vorbeilaufen, werden entgegensetze Spannungen und Ströme erzeugt. Eine Spule lässt positive und die andere nur negative Impulse über die jeweilige Gleichrichterdiode durch, treffen positive und negative Ströme aufeinander, wird die erzeugte Energie gegenseitig kurzgeschlossen und somit aufgehoben. Im Moment der richtigen Überschneidung beider Steuerzungen im Polrad, wird die negative Spannung abgeschaltet und es entsteht ein kurzer positiver Steuerimpuls. Am positiven Impulsgeber befinden sich Reihenwiderstände mit ca. 30 Ohm, folglich dominieren immer die negativen Impulse und gewährleisten ein sicheres löschen des Thyristors. Der kurze positive Steuerimpuls zündet den Thyristor in der Zündspule, welcher die gespeicherte Energie des Ladekondensators in die Zündspule drückt, der Zündfunke leitet zum richtigen Zeitpunkt die Verbrennung ein. Diese relativ präzise Steuerung hat aber nicht nur Vorteile, Polrad und Stator müssen immer für die passende Drehrichtung gepaart sein, bei verkehrter Drehrichtung oder gemischten Komponenten zündet nichts mehr.

Zu verlockenden eBay Angeboten von seltenen Gebrauchtteilen soll man eher misstrauisch sein, nur wenige Verkäufer (häufig auch Schrotthändler) wissen was sie anbieten! Oft findet man utopische Artikelbeschreibungen mit Zauberworten wie "passend für Hercules, Kreidler Puch, Zündapp...", welche im realen Leben schon aufgrund unterschiedlicher Drehrichtungen keinesfalls der Wahrheit entsprechen, technisch geprüft sind derartige Komponenten nur sehr selten! Folgende "erfolgreiche" eBay Auktion, zeigt ein linksdrehendes 6 Volt 35/30/10 Watt Zündapp Polrad und einen rechtsdrehenden 6 Volt 35/30/10 Watt Sachs Stator, der neue Besitzer kann diese Kombination keinesfalls verwenden. Funktionsprüfungen von Zündgeneratoren, kann man mit 3 einfachen Messungen durchführen: Zuerst 2 Strommessungen der Impulsgeber, sowie Dioden und Widerstände. Um auch heimtückische thermische Fehler zu überlisten, führt man die Messungen erst am tiefgekühlten (-10°C kalten) dann am (+100°C) heißen Stator und nach dem abkühlen noch einmal bei Raumtemperatur durch! Um auch den Hochspannungsladeanker mit ca. 30mA Strom zu belasten, benötigt man zu diesen Messungen entweder 4 neue 1,5 Volt Mignon Batterien, einen geladenen 6 Volt Akku, oder ein stabilisiertes Netzteil (6,0 bis max. 6,5Volt Gleichstrom), einen Widerstand mit 1 Ohm 0,25 Watt (1% Toleranz) und ein Voltmeter.

Die Meßschaltung

Gemessen wird zwischen blauen und schwarzen Kabel des Stators, der Wicklungsanfang vom Hochspannungsladeanker ist mit dem Statorblech (Masse) verbunden. Falls am gedämpften Impulsgeber zu wenig oder gar kein Strom fließt, kann kein Zündfunke erfolgen. Ist der ungedämpfte Impulsgeberstromkreis fehlerhaft, dann zündet es pro Polradumdrehung 3 mal, was man auch durch Fehlzündungen, (max. 5000 Upm Höchstdrehzahl) und falschen "ZZP" erkennt! Sind alle Meßwerte in Ordnung, kann auch ein Fehler in der vergossenen roten Zündspule vorliegen:


"Infos über defekte Zündspulen"


Handwerklich begabte Techniker mit entsprechendem Grundverständnis könnten derartige Teile auch selber reparieren, ist aber aufgrund des Gießharzes sehr zeitaufwendig. Für derartige Instandsetzungsversuche ist unbedingt eine regelbare Heißluftpistole nötig, womit das Gießharz vor dem abtragen auf mindestens 120 bis 150° C vorgewärmt wird, die Heißlufttemperatur sollte dafür zwischen 250 bis max. 350° C betragen! Leider haben auch schon einige Leute ihre defekten Statoren, bei Reparaturversuchen völlig zerstört! Man darf keinesfalls beim entfernen des Vergußharzes unter die Impulsgeberplatine vordringen. Werden die dünnen Anschlußdrähte der beiden Impulsgeberspulen durchtrennt, ist meistens Feierabend. In seltenen Fällen oxidieren auch Anschlußdrähte zu den Impulsgeberspulen, dann lohnt sich eine Reparatur nicht mehr, weil man die defekte Spule chirurgisch aus dem Harz entfernen müsste. Ich erhielt schon vermurkste Motoplat Statoren nach erfolglosen Reparaturversuchen zugesendet, wo auch ich nichts mehr retten konnte! Unerfahrene Hobbybastler welche sich saubere, präzise Öffnungen und fachgerechte Lötungen (Makroaufnahme einer Reparatur) nicht zutrauen, sollten besser die Finger davon lassen! Folgendes Bild zeigt einen fachgerecht reparierten rechtsdrehenden 12 Volt 130 Watt Stator einer Hercules Ultra 80, welcher schon großzügig mit Isolierlack versiegelt wurde:

Reparierter Stator von Hercules Ultra 80

Manchmal findet man im großen virtuellen Auktionshaus auch ungebrauchte Altlagerbestände, wo möglichen Interessenten mit Nachdruck nahegelegt wird "letzte Chance, unbedingt viel dafür bieten..." ! Wer in solchen Fällen auf einbaufertige Neuteile wie vor 30 Jahren vertraut, wird oft eines besseren belehrt. Metallegierungen wie Lötzinn unterliegen nach vielen Jahren leider auch Ermüdungsbrüchen (gerissene Lötstellen). Lötzinn wird wird dabei von selbst härter und verändert seine Oberflächenspannung, was zu kaum erkennbaren Haarrissen führt. Deshalb muß man nach Entfernen des Gießharzes, sämtlichen Lötstellen besondere Aufmerksamkeit schenken. Gerissene Lötstellen sind häufig für zeitweilige Funktionsfehler verantwortlich und lassen sich oft nur unter dem Mikroskop als fehlerhaft erkennen. Ich sauge altes Lötzinn immer vorsorglich ab und löte alle Lötstellen auf der Impulsgeberplatine neu, keinesfalls bleifreie Lote dafür verwenden, damit wären neue Probleme vorprogrammiert.

Wer mit derartigen Instandsetzungen überfordert sind, findet auch Hilfe bei einer kompetenten Fachwerkstatt in Bielefeld, welche auf Reparaturarbeiten 2 Jahre Garantie gewährt. Für Zündapp KS80 mit linksdrehenden 6 Volt 35/30/10 Watt Motoplat Zündanlagen, gibt es bei "Zundapp.nl!" alternativen Ersatz aus China. Wer Detailfragen zur Vielfalt unterschiedlicher  Motoplat Komponenten hat, kann mich auch telefonisch kontaktieren!