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Fehlereingrenzung bei Motoplat Zündungen mit Stahlrotor

letzte Änderung, am 01.08.2009

Viele Oldidriver denken an das Sprichwort "Motoplat macht den Motor platt", wenn sich ihre Zündanlagen zufällig oder dauerhaft weigern, ihrer Aufgabe "der Zündfunkenerzeugung" nachzukommen. Besonders ärgerlich, wenn man erst weit entfernt liegenbleibt und kein passendes Ersatzteil dabei hat. Für derartige Fehler sind überwiegend Dioden, defekte Widerstände, oder auch schlechte Lötstellen an der Impulsgeberplatine im Stator verantwortlich. Manchmal ist auch die Zündspule defekt, oder es treten sogar mehrere Fehler gleichzeitig auf! Um den Thyristor in der Zündspule noch anzusteuern, reichen schon wenige Milliampere Strom, was fehlerhafte Dioden oder zu hochohmige Widerstände auch noch schaffen. Deshalb merkt man solche Probleme erst wenn der Motor ausgeht, oder es dreimal pro Umdrehung zündet! Wer ein Multimeter mit Diodentest besitzt, kann als Schnelldiagnose die Durchbruchspannung in beiden Richtungen überprüfen. In der gedämpften Stromrichtung beträgt der Spannungsabfall beispielsweise 527 mV und wenn man die beiden Prüfkabel (rot und schwarz) vertauscht, wird nur die Durchbruchspannung der anderen Diode (ohne 30 Ohm Widerstand) gemessen, der Spannungsabfall (bzw. Flußspannung der Diode) sollte dann ca. 507 Millivolt betragen! Die angegebenen Flußspannungen sind aber nur Richtwerte, weil stark temperaturabhängig. Falls aber eine der beiden Richtungen keinen vernünftigen Messwert oder unendlich hohe Durchbruchspannung ergibt, ist der Fehler eindeutig lokalisiert. Bei bis zu zehnfachen Prüfstrom (mit externer Stromversorgung), welcher im normalen Fahrbetrieb nie vorkommt, könnte man schleichende Funktionsfehler (bevor man einen anderen Stator montiert) in manchen Fällen schon früher erkennen. Folgendes Bild zeigt einen Motoplat Stator wo die Impulsgeberplatine freigelegt wurde:

Der Zündimpulsgeber

Wer die Schaltung unter der roten Vergußmasse oder dessen Funktion nicht kennt, weiß auch nicht wonach er messen soll? Wie funktioniert die Triggerung und der Zündgenerator? Zwei symmetrische Steuerspulen sind im entgegengesetzten Wicklungssinn geschaltet, wenn nun abwechselnd  N  +  S  Polflächen des Polrades an den beiden Steuerankern synchron vorbeilaufen, werden entgegensetze Spannungen und Ströme erzeugt. Eine Spule lässt positive und die andere nur negative Impulsströme über die jeweilige Gleichrichterdiode fließen, treffen positive und negative Ströme aufeinander, wird die erzeugte Energie gegenseitig kurzgeschlossen und somit aufgehoben. Nur im Moment der richtigen Überschneidung beider Steuerzungen im Polrad, wird die negative Spannung kurz abgeschaltet und es entsteht ein kurzer positiver Triggerimpuls. Am positiven Impulsgeber befinden sich ein Widerstand mit ca. 30 Ohm, oder bei der anderen Bauform zwei 15 Ohm Widerstände in Reihenschaltung. Folglich dominieren immer die negativen Impulse und gewährleisten ein sicheres löschen des Thyristors. Der kurze positive Steuerimpuls zündet den Thyristor in der Zündspule, welcher die gespeicherte Energie des Ladekondensators in die Zündspule drückt, der Zündfunke leitet dann zum richtigen Zeitpunkt die Verbrennung ein. Damit diese präzise Steuerung funktioniert, müssen das Polrad und der Stator auch für die passende Drehrichtung gepaart sein, bei verkehrter Drehrichtung oder gemischten Komponenten zündet nichts.

Zu verlockenden eBay Angeboten von derartigen Gebrauchtteilen oder sogar "ungebrauchten Altlagerbeständen" soll man allgemein misstrauisch sein, nur wenige private Verkäufer (häufig Schrotthändler) wissen was sie anbieten und schließen Gewährleistung oder Rücknahme meistens aus! Oft findet man utopische Artikelbeschreibungen mit Zauberworten wie "passend für Hercules, Kreidler Puch, Zündapp...", welche im realen Leben schon aufgrund unterschiedlicher Drehrichtungen keinesfalls der Wahrheit entsprechen können, technisch geprüft sind derartige Komponenten selten bis gar nicht! Folgende "erfolgreiche" eBay Auktion, zeigt ein linksdrehendes 6 Volt 35/30/10 Watt Zündapp Polrad und einen rechtsdrehenden 6 Volt 35/30/10 Watt Sachs Stator, der neue Besitzer kann diese Kombination (auch wenn die Teile funktionieren sollten) keinesfalls nützen. Gelegentlich findet man im großen virtuellen Auktionshaus auch noch ungebrauchte Altlagerbestände, wo möglichen Interessenten mit Nachdruck aufgefordert werden "letzte Chance, unbedingt viel dafür bieten..." ! Wer in solchen Fällen auf einbaufertige Neuteile wie vor 30 Jahren vertraut, wird oft eines besseren belehrt. Metalllegierungen wie Lötzinn unterliegen nach Jahrzehnten leider auch Ermüdungsbrüchen (gerissene Lötstellen). Lötzinn wird nach vielen Jahren von selbst härter und verändert seine Oberflächenspannung, was zu kaum erkennbaren Haarrissen führt. Bei 6 Volt 35/30/10 und 6 Volt 19/20/10 Watt Motoplat Statoren für Hercules oder KTM Fahrzeuge kommt es öfter zu Verwechslungen, weil diese optisch so gut wie nicht zu unterscheiden sind. Richtig perfekt wird das Chaos erst, wenn man einen linksdrehenden 6 Volt 19/20/10 Watt Stator von Hercules Supra 3D bei eBay als vermeintliches Schnäppchen schießt, welcher als begehrter 6 Volt 35/30/10 Watt Typ angeboten wird? Dieser kann mit rechtsdrehenden Polrädern nicht funktionieren und niemand weiß später warum?

Funktionsprüfungen an Zündgeneratoren, kann man auch mit 3 einfachen Messungen durchführen: Zuerst 2 Strommessungen der Impulsgeber, sowie Dioden und Widerstände. Um auch heimtückische thermische Fehler weitgehend zu überlisten, führt man die Messungen immer erst am tiefgekühlten (-10 bis -18°C kalten) dann am (+100°C) heißen Stator und nach dem abkühlen noch einmal bei Raumtemperatur durch! Um auch den Hochspannungsladeanker mit ca. 30mA Strom zu belasten, benötigt man für diese Messungen entweder 4 frische 1,5 Volt Batterien, einen geladenen 6 Volt Akkublock, oder ein stabilisiertes Netzteil (6,0 bis max. 6,5Volt Gleichstrom), einen Widerstand mit 1 Ohm 0,25 Watt (1% Toleranz) und ein Voltmeter.

Die Meßschaltung

Gemessen wird zwischen blauen und schwarzen Kabel des Stators, der Wicklungsanfang vom Hochspannungsladeanker ist mit dem Statorblech (Masse) verbunden. Falls am gedämpften Impulsgeber zu wenig oder gar kein Strom fließt, kann kein Zündfunke erfolgen. Ist der ungedämpfte Impulsgeberstromkreis fehlerhaft, dann zündet es pro Polradumdrehung 3 mal, was man auch durch Fehlzündungen, (beispielsweise nur. max. 5000 Upm Höchstdrehzahl) und falschen "ZZP" erkennt! Sind alle Meßwerte in Ordnung, kann auch ein Fehler in der vergossenen roten Zündspule vorliegen:


"Infos über defekte Zündspulen"


Handwerklich begabte Techniker mit entsprechendem Grundverständnis könnten derartige Teile auch selber reparieren, ist aber aufgrund des Gießharzes sehr zeitaufwendig. Für derartige Instandsetzungsversuche ist unbedingt eine regelbare Heißluftpistole nötig, womit das Gießharz vor dem abtragen auf mindestens 120 bis 150° C vorgewärmt wird, die gewählte Heißlufttemperatur sollte dafür zwischen 250 bis max. 350° C betragen! Leider haben auch schon einige Leute ihre defekten Statoren, bei Reparaturversuchen völlig zerstört! Man darf keinesfalls beim entfernen des Vergußharzes unter die Impulsgeberplatine vordringen, sondern muß solche Patienten vorsichtig wie ein rohes Ei behandeln. Werden die dünnen Anschlußdrähte zu den Impulsgeberspulen durchtrennt, ist meistens Feierabend. In seltenen Fällen oxidieren (aufgrund verdorbenen Kraftstoff) auch Anschlußdrähte zu den Impulsgeberspulen oder die Wicklungen, dann lohnt sich die Reparatur nicht mehr, weil man so eine defekte Spule chirurgisch aus dem Harz entfernen müsste. Abgebrochene Wicklungsanschlüsse neben den Lötstellen, kann man reparieren. Ich erhielt schon vermurkste Motoplat Statoren nach erfolglosen Reparaturversuchen zugesendet, wo auch ich nichts mehr retten konnte! Unerfahrene Hobbybastler welche sich präzise Öffnungen und fachgerechte Lötungen (Makroaufnahme einer Reparatur) nicht zutrauen, sollten doch besser die Finger davon lassen und Personen mit ausreichenden Fachkenntnissen konsultieren! Folgendes Bild zeigt einen fachgerecht reparierten rechtsdrehenden 12 Volt 130 Watt Stator einer Hercules Ultra 80, welcher wieder mit Isolierlack versiegelt wurde:

Reparierter Stator von Hercules Ultra 80

Nach der Entfernung des Gießharzes ist sämtlichen Lötstellen besondere Aufmerksamkeit schenken. Gerissene Lötstellen sind häufig für zeitweilige Funktionsfehler verantwortlich und lassen sich oft nur unter dem Mikroskop als fehlerhaft erkennen. Ich sauge deshalb altes Lötzinn immer vorsorglich ab und löte alle Lötstellen auf der Impulsgeberplatine neu, keinesfalls bleifreie Lote dafür verwenden, damit wären neue Probleme vorprogrammiert.

Wer mit derart chirurgischen Eingriffen überfordert ist und auch keine erfahrenen Gießharzknacker kennt, finden auch Hilfe bei einer kompetenten Fachwerkstatt in Bielefeld, welche auf Reparaturarbeiten sogar 2 Jahre Garantie gewährt. Für Zündapp 314er Motoren mit linksdrehenden 6 Volt 35/30/10 Watt Motoplat Zündanlagen, gibt es bei "Zundapp.nl" oder "mopedparts.de" noch kostengünstigen Ersatz aus China. Dort wurden die beiden Dioden und der Widerstand für die Zündimpulsgeber, direkt in die CDI Zündbox integriert, diese bleiben auch kühler wie der Stator und unterliegen keinen thermischen Problemen. Es liegt aber nicht in jedem Fall an der Zündanlage, auch fehlerhafte Vergaser, verstopfte Luftfilter, Auspuffanlagen usw. können verantwortlich sein, wenn der Motor stottert!  

Wer Fragen zu Eigenschaften bzw. Vielfalt unterschiedlicher Motoplat Komponenten hat und nicht sinnlos sein Geld bei Schrotthändlern in den Sand setzen will, kann mich telefonisch kontaktieren!