Erstellt, am 21.01.2013
Letzte Änderung, am 01.11.2013
Wie kann man die häufigsten Fehler bei Reparaturversuchen an
Magnetzündergeneratoren von Motoplat vermeiden?
Weil meine Reparaturanleitung für Motoplat Zündanlagen mit Stahlrotor je nach
Jahreszeit bis zu 60 mal täglich gelesen wird,
versuchen aus verständlichen Gründen immer mehr Leute eine kostengünstige Selfmade
Reparatur, welche aber leider nicht immer erfolgreich
verläuft. Deshalb will ich hier die häufigsten bekannten Sünden aufzählen und
auch technische Ratschläge erteilen, wie man das
ganze künftig besser machen kann. Ich freue mich immer über kritische und
ergänzende Hinweise von meinen Lesern. Je mehr Feedback
auf diese Weise zurück kommt, um so besser oder verständlicher kann ich das bei
späteren Änderungen in die Texte einbinden.
Alle, denen diese Informationen hilfreich sind, können sich
hier
mit einem Trinkgeld für den Fortbestand, künftige Erweiterungen und Aktualisierung meiner Webseite
erkenntlich zeigen.
Diese Reparaturanleitung ist seit November 2005 Online und wurde aufgrund diverser Feedbacks auch schon
öfter aktualisiert. Unter anderem kann man auch in
zahlreichen Internet Foren, über Probleme mit Motoplat Zündanlagen nachlesen. Wie aber wie bei vielen
Dingen in unserem Leben, entsprechen die geposteten Zeilen diverser
Foren, nicht immer den Tatsachen.
Aus diesem Grund zitiere ich einige teilweise
amüsante Suchergebnisse, aus diversen Leserforen:
"Ewald hatte darüber mal was
geschrieben, sind meist Dioden, die sich entlötet haben.
Ist ein bisßchen fickelich, das sauber
rauszufräsen, nachzulöten und neu zu vergiessen.
Kokusan würd ich im Leben nicht einbauen. Die ganzen
Anpassungen, dann fliegen die Polräder
auseinander. Nen, dann lieber ne überprüfte gebrauchte Motoplat. Kann halt jder anders sehen."
Diese veröffentlichten Feststellungen entsprechen leider überhaupt nicht der Realität, die Dioden
könnten sich im schlimmsten Fall nur dann entlöten, wenn
das Polrad ganz derb am Stator streift. Aber nach solch groben mechanischen Schäden, würde
sich eine Reparatur kaum noch lohnen. Alternative 12 Volt 85 Watt
Magnetzündergeneratoren von Kokusan werden schon seit mehreren Jahren in erstklassiger Qualität
produziert und das auch zu einem sehr guten
Preis/Leistungsverhältnis, leider wurden sie bisher noch nicht für rechtsdrehende Motoren
angepasst. Wer aber schwerwiegende Probleme mit eher geringfügigen
Änderungen an seiner Bordelektrik hat, für den ist wohl eine reparierte Original Motoplat
Zündanlage die bessere Wahl.
"Ich hab die dritte Motoplat drin. Hab mir die selber zerballert, da ich keine ausreichende Masseleitung Motor
zum Rahmen hatte
( hatte 70 Ohm, normal sind max 2 Ohm) Das kann die Motoplat überhaupt nicht ab. Nachdem ich die letzte
Motorplat verbaut hatte,
kam auch ein ausrechendes Masseband vom unteren Motorträger zum Motorgehäuse dazu, seitdem ist seit 2
Jahren Ruhe.
Hoffe, es bleibt so"
Dieser Autor beschreibt
seine angeblichen Störungs-Erfahrungen
mit lebhafter Phantasie, denn bei mangelhafter Masseverbindung funktionieren Motoplat Zündanlagen im
schlimmsten Fall gar nicht, aber es wird dabei auch nichts zerstört.
Richtig hinterlistig sind stattdessen defekte Vorwiderstände im Zündkerzenstecker, welche dann
häufig aufgrund langer Vorfunkenstrecken mit hohen
Selbstinduktionsspannungen, die Gleichrichterdiode oder den Thyristor im Zündkonverter zerstören, der
Stator bliebe dann aber trotzdem unversehrt. Deshalb niemals alles
glauben, was man im Internet zum lesen findet!
"In Süddeutschland, ich meine in München, sitzt eine Firma, die die Anlagen repariert und auf die
Reparatur 2 Jahre Garantie gibt. Kostenpunkt ca. 180 Euro. Dort habe ich
auch schon eine 6-V-Motoplat für meine SX80 reparieren lassen. Funktioniert bestens."
Er meinte vermutlich Bielefeld, aber der Rest ist korrekt!
"Also dafür dass der Teilewert, den man zum reparieren braucht also wenn man widerstände und dioden
neu macht nicht mal 20€ beträgt , ist das schon ganz
schön happig... die arbeitszeit investier ich gerne .... zeit braucht so ein hobby halt und ich mache das
gerne ....obs was wird ist ne andere sache aber die chancen stehen
gut dafür wenn es das problem ist wie auf der seite beschrieben.
"
Auch diese Angaben sind völlig unrichtig, denn die Materialkosten liegen nur im Cent-Bereich! Auf der anderen
Seite ist es aber nicht wirklich fair, über angemessene
Instandsetzungspreise von gewerblichen Dienstleistungsbetrieben öffentlich zu meckern, immerhin sind die
Lohnnebenkosten für kleine und mittelständische Betriebe
mörderisch hoch. Geht man bei vergleichbaren Instandsetzungen von durchschnittlich 2 bis 3 Arbeitsstunden
aus, dann verdienen zwar Finanzamt und Krankenkassen fürstlich,
aber der Dienstleister deckt im besten Fall gerade noch seine laufenden Kosten. Wem professionelle
Dienstleistungen zu teuer sind, der soll nicht öffentlich jammern, sondern
besser selber zeigen was er selber kann und sein Reparaturprojekt eben erfolgreich instandsetzen.
"Ja ich hab mit einer heißluftpistole gearbeitet aber es gingt trotzdem nicht viel material auf einmal ab.
Die 2 stunden sind geschätz, vielleicht war es auch weniger
aber dieses Hartz finde ich sehr sinnlos. Wäre die Spule in einem einfachem plastik Gehäuse würde
so eine Reparatur ca 3 Minuten dauern. Aber sie lohnt sich. Bei
egay geht so eine Spule für ca 10 € und man weiß meistens nicht mal ob die überhaupt
funktioniert und für recht drehende Motoren ist."
Zwei Stunden seiner Freizeit gegen eine 180.- Euro teure Rechnung zu tauschen ist doch ein sehr gutes
Geschäft, dafür darf man sich auch ein wenig anstrengen. Der
Hintergedanke vom Gießharz reifte schon in den 60er Jahren, damals aber in erster Linie um elektrotechnische
Komponenten wasserdicht zu machen. Leider haben eifrige
Kaufleute schnell entdeckt, dass man damit zahlenden Kunden auch angeblich hochwertige Technik vorgaukeln und
dafür richtig viel Geld abnehmen kann, denn nur die
wenigsten wissen leider wie einfach das Innenleben ist. Eine hohe Betriebssicherheit ist damit auf Dauer
unwahrscheinlich, weil sich elektronische Bauteile und Gießharze
stark unterschiedlich ausdehnen. Wenn man einen alten Stator oder Zündkonverter für max. 10.- Euro
erwerben kann, hält sich der mögliche finanzielle Schaden sogar
in vertretbaren Grenzen. Wer aber 50.- Euro oder eine vielfache Summe dafür löhnt und das Teil entpuppt
sich trotzdem als defekt, der wird zu Recht richtig verärgert
sein und kaum noch ungeprüfte Gebrauchtteile für teures Geld (Lehrgeld) erwerben. Deshalb besser vor dem
Abenteuer "Gebrauchtkauf" einen Reparaturversuch wagen, falls man die
nötigen technischen Fähigkeiten besitzt. Mit zu wenig Geduld und all zu raschem abtragen vom
Gießharz kann man folgenschwere Sünden begehen, welche später
kaum noch zu korrigieren sind. Vor allem sollte man niemals die Wicklungsanschlüsse der beiden Spulen vom
Zündimpulsgeber durchtrennen.
An diesem abgebildeten Exemplar kann man gut erkennen, dass zusätzlich zum Gießharz auch die
kleine Leiterplatte demontiert wurde. Der gute Mann wollte vermutlich auch
die eingegossenen Dioden entfernen, was aber nicht nötig und völlig überflüssig ist. Es
genügt jeweils eine von beiden Lötstellen so weit vom Zinn zu
befreien, damit keine leitende Verbindung mehr besteht. Dann platziert man seitlich zwischen der Leiterplatte und
den benachbarten Generatorspulen, zwei neue Dioden und die defekten
verbleiben unbehelligt im Gießharz. In diesem Zusammenhang aber unbedingt darauf achten, dass die beiden
neuen Dioden ausreichend tief unter den Polflächen versenkt werden,
damit keinesfalls irgendwann das Polrad streift und so die zeitaufwendige Arbeit möglicherweise wieder
zerstört.

Deshalb ist es erforderlich, das Gießharz links und rechts neben der Leiterplatte, bis auf die
darunterliegenden Spulenkörper abzutragen, damit die neuen Dioden
ungefähr einem Millimeter unter der Oberkante vom Gießharz bleiben, dann sind später auch
keine Probleme zu erwarten. Ordentliche Lötungen mit verbleitem
Lot setze ich in diesem Zusammenhang voraus, andernfalls dauern Erfolgserlebnisse möglicherweise nicht
lange. An der geänderten Ausführung ab Bj. 1982/83 findet man
anstelle der Leiterplatte nur ein Kunststoffplättchen, wo links und rechts die beiden Dioden eingelötet
sind. Dieses Plättchen ist aber meistens höher als die
älteren Leiterplatten montiert, so dass man unbedingt ausreichend Platz für die neuen Dioden schaffen
muß. Bei diesem Reparaturversuch hat das leider nicht so gut
geklappt, da streifte das Polrad am blauen Gießharz und an einer der beiden Dioden.
Ganz wichtig ist auch die Siliconumhüllung zu den dünnen Anschlußdrähtchen der Wicklung, bei
der Demontage vom Gießharz wurden diese auch mechanisch so stark
beschädigt, dass sie schon beim ersten vorsichtigen Biegeversuch abbrachen. So etwas unbehelligt zu lassen
wäre wie eine vorprogrammierte Zeitbombe, welche
möglicherweise erst dann wirksam wird, wenn man richtig sehr weit von der eigenen Bastlergarage entfernt ist
und dann auch noch die Sommerhitze gnadenlos herunterbrennt. Auch die
Lötstellen wurden unprofessionell und klumpig ausgeführt. Dabei wäre es auch wichtig, die
Anschlußdrähte der beiden Dioden abzukanten und diese in die
runden Lötösen hineinzustecken, damit sie beim löten auch eine zuverlässige Verbindung mit den
darunterliegenden Leitungen erhalten. Deshalb muss man
sehr vorsichtig,
ausreichend Gießharz abtragen und darf auch auf die tieferliegenden Mulden für die beiden Dioden nicht
vergessen. Dann unbedingt das alte Lötzinn mit ausreichend hoher
Temperatur aus den Lötösen absaugen, dabei aber keinesfalls das Kunststoffplättchen verbrennen. Das
schmilzt recht schnell weg, wenn die Temperatureinwirkung zu lange
dauert.
Man kann bei den diagonal angeordneten Lötösen (unten links und oben rechts) sehr gut die
darunterliegenden Leitungen erkennen, dort muß man die Dioden
Anschlußdrähte mit der Kathodenbezeichnung, unbedingt mehrere Millimeter tief hineinstecken. Das
funktioniert meistens nur mit kurzzeitiger starker Temperatureinwirkung vom
Lötkolben, aber keinesfalls zulange draufbraten, damit das Kunststoffplättchen nicht wegschmilzt. Auch
das verlängern der abgebrochenen Anschlußdrähtchen zur
unteren Spule erfordert hohe Präzision, dabei verzinnt man beispielsweise einen lötbaren 0,12 mm
Kupferlackdraht und wickelt davon mehrere Windungen auf eine dünne
Nadelspitze mit 0,3 mm. Dann den verbliebenen Anschlußdraht der Spule mit mindestens 400°C erhitzen,
damit auch dort der Isolierlack schmilzt. Manuelles abschälen mit
einem Messer wäre dort gefährlich, weil der Draht dann noch kürzer abbrechen könnte.
Vorstehende Kupferlackdrähte mit mindestens 2 mm Länge kann man
erfahrungsgemäß noch erfolgreich verzinnen, bei noch kürzer abgebrochenen Drähtchen hat man
meistens kaum noch eine Chance. Nach dem verzinnen wird das
spiralförmig gewickelte Drähtchen über das abgebrochene und ebenfalls verzinnte Ende geschoben und
anschließend ordentlich verlötet. Das kann man am Bild
zwischen dem Eisenkern der unteren Impulsgeberspule und der unteren rechten Lötöse, sehr gut als
dickeren Knoten erkennen, solche Verbindungen halten auch dauerhaft. Nun
müssen die dünnen Anschlußdrähte zur Zugentlastung in dauerelastisches Silikon eingebettet
werden, dafür unbedingt vernetzungsneutrale Gebinde verwenden und
niemals welche die mit Essig aushärten. Silikon auf Essigbasis würde die dünnen Drähtchen
beschädigen
und diese mit der Zeit
zerfressen, das wäre garantiert nicht im Sinne des Erfinders. Zum Schluß müssen wir auf beiden
Seiten des Stators eine selbstklebende Schalung aufbringen, damit
später das Gießharz nicht wegfließen kann und möglicherweise eine üble Sauerei
hinterlässt. Dann wird der Stator waagrecht in einen Schraubstock
eingespannt und die Baugrube von oben mit UHU Plus Endfest 300 ausgegossen. Dieser transparente 2K Kleber
härtet bei Raumtemperatur in ca. 8 Stunden aus und ist kurzzeitig bis
über 200°C belastbar, ohne dabei flüssig zu werden. Außerdem ist dieser Kleber Kraftstoff und
ölbeständig, somit eignet er sich hervorragend für
solche Einsatzzwecke.
Die exakt maßhaltigen Rundungen der fertig ausgehärteten Vergussmasse, sind auf der Drehbank
entstanden. Dabei wurde der im Spannfutter befestigte Stator vorsichtig mit der
Hand bewegt und in 0,2 bis 0,02 mm Schritten vorstehendes Material mit einem HSS-Drehstahl abgetragen. Somit sind
auch unerwünschte Feindberührungen zwischen dem
Gießharz und dem Polrad auszuschließen.
öfter erreichen mich auch Anfragen warum diese Dioden sterben und welche Typen man als Ersatz verwenden soll?
Empfehlenswert sind schnelle Gleichrichterdioden mit mehreren hundert
Volt Sperrspannung, welche eine niedrigere Flußspannung als beispielsweise langsame 1N4007 Universaldioden
bewirken. Das wären wahlweise 1N4936, zahlreiche FRxxx, RGPxxx
Typen, oder handelsübliche UF4004, alle geeigneten Dioden hier aufzulisten würde aber den Rahmen
sprengen. Eine gute Wahl wären unter anderem
RGP10D Sinterglasdioden, welche überwiegend ab
1983 bei Motoplat bestückt wurden. Diese Typen litten
erfahrungsgemäß seltener an Kontaktfehlern, als andere Dioden, welche von Motoplat verwendet
wurden. Weil sich das Gießharz bei Erwärmung vielfach
stärker als andere Bauteile ausdehnt, sind solche Schäden vorprogrammiert. Diese können schon
nach wenigen Jahren, oder im besten Fall erst 30 bis 50 Jahre
später auftreten, damit muss man leider leben. Manche Leute leben in einem für mich nicht
nachvollziehbaren Originoool-Wahn und ließen schon schlechte Worte an der
alternativen beinahe transparenten Versiegelung mit UHU-Plus Endfest 300! Weil aber auch nicht alle Reparaturen an
Motoplat Statoren ewig halten werden, ist es meiner Meinung sehr
nützlich wenn man schon von außen die Platzierung der Bauteile und deren Lötstellen erkennen kann.
Dieser Stator von einem Vielfahrer, ist leider nach nur 2 Saisonen
erneut unerwartet ausgefallen.
Weil man aber alle Lötstellen sehr gut von oben erkennbar sind, konnte ich sie mit einem konischen Diamant
Schleifstift exakt anbohren und genaue Messungen ohne mechanische oder
thermische Einwirkungen durchführen. In diesem Fall verursachte einer von beiden eingegossenen Widerständen
einen gemeinen Kontaktfehler, welcher messtechnisch sehr zuverlässig
zu lokalisieren war. Die erfolgreiche Nachreparatur und Versiegelung der kleinen Baugrube, dauerte keine halbe
Stunde. Der 27 Ohm SMD Widerstand der Baugröße 1207, wurde
parallel über den defekten gelötet und die möglichen Toleranzen bleiben damit im grünen
Bereich!